Blinkende und glitzernde Windräder auf blaugrünen Hügeln, Wellenkraftwerke an stürmischen Küsten, Hochhäuser mit riesigen Ventilatoren unter der Spitze: Wie die Energiegewinnung der Zukunft genau aussehen wird, darüber wird viel und fantasievoll spekuliert. Fest steht, die Landschaft wird sich ändern, der Mensch die Natur erneut seinen Vorstellungen anpassen.

 

Ein Wellenkraftwerk wie das an der Küste der schottischen Insel Islay bietet sicher mehr Vor- als Nachteile, und so wurde es eher zu einer Touristenattraktion, als zu einem Objekt öffentlicher Erzürnung. Das sieht bei Windrädern ganz anders aus. Als sie das Land nach und nach eroberten, setzten sich plötzlich die negativen Meinungen durch. Das sieht nicht schön aus, die zuvor unberührte Natur und die, um große Abzüge der Fotos drucken zu lassen geradezu prädestinierte Landschaft, war verstellt. Der Blick kann nicht ruhig verweilen, ständig bewegt sich etwas am Horizont, am Rande des Sichtfeldes.

Grüne Energie? Ja, gerne, aber bitte nicht im eigenen 

 

Dieser lapidare Spruch ist natürlich ein rotes Tuch für die Anwohner, die wirklich unter den Auswirkungen eines Windrades in unmittelbarer Nachbarschaft leiden.
Denn diese Auswirkungen gibt es tatsächlich.

Windmuehlenberg-um-1800Stehen die Windkraftanlagen zu nahe an bewohntem Gebiet, werden die dort lebenden Menschen durch den regelmäßig über sie fallenden Schatten der Rotoren gestört, oder durch ihr Sirren und unterschwelliges Brummen, das wie ein Tinnitus die Konzentration stört, belästigt. Die Anwohner, die zuvor nicht selten grüne Energietechniken befürworteten, können dann zu vehementen Gegnern werden. Das Hauptproblem der Windräder war in vielen Fällen dann auch nicht das Windrad selbst, sondern der Umgang von Behörden und Betreibern mit den Anwohnern.
Wurden die Anwohner über die Pläne aufgeklärt und hatten sie ein Mitspracherecht, stieg die Akzeptanz der Windkraftanlagen sprunghaft an.

 

windmill

Um die Diskussion um Windkraftanlagen so zu führen, dass sich die Parteien nicht nur die Köpfe heiß reden, sollte man die Bedenken und Ziele beider Seiten ernst nehmen.
Im Übrigen verlaufen die Frontlinien nicht so deutlich, wie man vielleicht vermuten würde. Der springende Punkt ist am Ende schließlich die Ausführung der hehren Ziele.
Die genervten Anwohner sind die eine Gruppe, doch Kritik kommt auch von erzürnten Umweltschützern, die feststellen, dass Windräder Vögeln zum Verhängnis werden, ebenso wie Strömungskraftwerke zur tödlichen Falle für Fische und Meeressäuger werden können.

Die Windräder haben sich weiterentwickelt, sie werden effizienter, leiser, aber auch größer, sodass sie noch weiter weg stehen müssen. Dafür müssen nicht mehr so viele Windräder aufgestellt werden.
Doch damit die Windräder nicht die Tiere gefährden, sollten in die Planung nicht nur Unternehmen und Politiker involviert sein, welche dann gewinnmaximierend sehr viele Windräder auf Berge in Naturschutzgebieten stellen wollen, sondern auch Umweltverbände, die einen nicht belastendenden Ausbau sicherstellen können.

Der nun verbleibende Kritikpunkt ist: der Anblick.
Können wir uns nicht an Windräder gewöhnen? So sehr gewöhnen, dass sie uns auch gefallen? Mit ihrem schlanken Bau haben sie eine ganz eigene Ästhetik.
Man könnte sich sogar an die alten Windmühlen erinnert fühlen. Anders als die wenigen verbliebenen Reste heute, bedeckten auch sie ganze Hügel, oder standen als Wassermühlen an Flussläufen. Auch im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg standen seit etwa 1800 viele Windmühlen, weshalb sie noch heute im Wappen des Stadtteils zu finden sind. Auch sie prägten so den Horizont. Heute sind die alten Windmühlen ein seltener und romantischer Anblick, den viele bewusst in den Niederlanden suchen.