Die Massenproduktion von Kleidung ist vom Anbeginn ein schmutziges Geschäft gewesen. Der Konsum nimmt, mit dem steigenden Wohlstand in der Welt, auch immer mehr zu. Nun findet in den Köpfen der Käufer und Anbieter ein Umdenken statt und einige Designer machen es sich zur Aufgabe mit Umweltverbänden und anderen Engagierten für eine saubere Textilproduktion zu kämpfen. Aber macht der Durchschnittskunde diesen Schritt mit? Oder ist es einfacher, Betroffenheit zu empfinden, als das Geld für faire und saubere Kleidung dann auch tatsächlich zu erübrigen?

kleidungVon schönen Projekten über „fair und umweltfreundlich produzierte Bekleidung“ gibt es immer wieder Artikel. Fast schon häufiger, als über die nach wie vor unwürdigen Bedingungen in Fabriken in Asien oder die erkrankten Baumwollpflücker.

Dabei ist die Textilindustrie so schmutzig wie eh und je. Wir bekommen das nur nicht mit, weil die Oberteile und Jeans für den westlichen Markt in rigoros geführten und abgeschotteten Fabriken in China, vermehrt auch Bangladesch und jedem anderen Staat produziert wird, in denen die Menschen noch arm genug sind, um jede Form von Arbeit anzunehmen. Die Werbung von Kik und H&M macht leider nicht deutlich, wo sie produzieren lassen und Riesen wie Primark, die grundsätzlich extrem billig produzieren, werden immer beliebter.

Dabei gibt es Ansätze, die Kleidungsproduktion komplett umzukrempeln. Solche Ansätze kommen gerne auch aus Deutschland ebenso wie die verwendeten Materialien.
Wer kein schlechtes Gewissen haben möchte, könnte sich etwa in Kleidung aus Wolle, Flachs, Leinen aber auch Brennnessel oder Hanf kuscheln. Diese Fasern wurden alle schon seit Jahrhunderten in Deutschland und ganz Europa verwendet, bis die Baumwolle im Zuge der Industrialisierung alles verdrängte. Im Fall von Hanf kamen noch zu allgemeine Verbote hinzu, sodass heute kaum noch jemand weiß, dass es sich dabei um die wichtigste Pflanzenfaser seit dem Mittelalter handelte.

Die Produktion von Kleidung aus diesen ursprünglichen Fasern geht bisher noch von den Designern aus, es gibt keine größeren Anbaugebiete. Gerade die Brennnessel wäre eine sehr genügsame Pflanze, die – wie sich das für Unkraut gehört – völlig auf Pflege verzichten kann und den Boden kaum belastet oder auslaugt. Eine Firma, die bis vor wenigen Jahren noch Brennnesseln zur Kleidungsproduktion anbauen ließ, ist vor Kurzem in die Insolvenz gegangen – der Grund: erschwerte wirtschaftliche Bedingungen und mangelndes Interesse der Kunden.

Ein anderes Konzept ist daher die Unterstützung von Fair-Trade-Baumwolle aus dem Ausland. Auf kleinen Vertriebswegen, zumeist über eine Hilfsorganisation, wird die Baumwolle zu fairen Preisen von den Kleinbauern abgenommen, diese werden in nachhaltiger und ökologischer Anbauweise unterrichtet. Dieses Konzept wird von den Kunden eher gekauft und akzeptiert. Wohl auch, weil mittlerweile auch große Firmen wie H&M eine solche Öko-Kleidung von der Stange verkaufen – wenn auch unter Standards die kritischer beobachtet werden sollten, als bisher.

Ob diese Ansätze die Fantasien von Idealisten sind, oder ob ökologische Bekleidung zum Tragen kommt – ist am Ende eine Frage der Schuldzuweisungen.
Der Kunde sagt, es ist kein Angebot da, und der Verkäufer behauptet, der Kunde hätte kein Interesse.

Diese Diskussion erstreckt sich über alle Konsumgüter und produzierten Waren. Nur, wenn man sich entlang des Grundsatzes „Kleinvieh macht auch Mist“ darüber streitet, ob die Produktion etwa der Bierdeckel auch auf recyceltem Material beruht, oder ob man sich nicht doch auf die – nicht nur ökologischen – Probleme der deutlich größeren Textilindustrie konzentrieren sollte, verfranzt sich die Diskussion bald und führt zu keinem Ergebnis.
Es ist wichtig, die Menschen umfassend zu informieren und aus ihrer Bequemlichkeit zu holen. Es weiß leider noch nicht jeder, dass die Kleidung und ihr Entstehungsprozess enorm belastet sind. Aber es hat doch jeder mitbekommen, dass illegale Fabriken in Bangladesch legale Abnehmer in Deutschland haben – und dass trotzdem nichts passiert, wenn diese Fabriken abbrennen, und 200 Menschen aus dieser Fabrik nicht mehr herauskommen.

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