Der Kampf gegen die Atomkraft hat in Deutschland eine lange Tradition. Die Castor-Transporte, oder die gelegentlichen, „gänzlich ungefährlichen“ Zwischenfälle in Kraftwerken auf der ganzen Welt, führen immer wieder zu spontanen oder von langer Hand geplanten Kundgebungen und Blockaden.

Nun sind die Castor-Transporte Geschichte, das Asse-Bergwerk hat sich mit seinem Nässe-Einbruch selbst disqualifiziert, der Ausstieg aus dem Ausstieg ist für die Bevölkerung sowieso vom Tisch – nur in den entsprechenden schwarz-gelben Schaltstellen scheint das manchmal nicht angekommen zu sein.

Aber auch unsere Nachbarländer gucken leicht spöttisch auf die Deutschen mit ihrer sprichwörtlichen German angst. Schließlich hat die Anti-Atom-Bewegung eine Protestkultur hervorgebracht hat, die den sonst so streikbaren Franzosen bei diesem Thema, ob der Panik hierzulande, völlig verwundert hinübersehen lässt.

Die paar Deutschen, die sich in bockiger Gutgläubigkeit den Beschwichtigungen der Energiekonzerne und ihrer Minister in der Bundesregierung hingaben, wurden dann genauso vom Fukushima Unglück überrascht, wie alle Anderen auch.

Aber: Ja, in diesen Tagen haben wir wieder unserem Ruf der Zwischenfall im Kernkraftwerk Biblis verzoegert Wiederanfahren alle Ehre gemacht, der höchste Treffer des deutschen Google dieser Tage war die „Jodtablette“, die damals nicht hier, aber sehr wohl in Japan benötigt wurde, wo sie auch an die Bevölkerung verteilt wurde.

Ausgelöst durch die Berichte über den maroden Zustand der Atomruine vor dem Erdbeben und Tsunami, wurde also eilig aus dem Ausstieg aus dem Ausstieg ausgestiegen, nur um das Monate später wieder anzweifeln zu können. Es wurde aber auch beschlossen, dass unter der Leitung von EU-Kommissar Günther Oettinger eine Bestandsaufnahme der europäischen Atomkraftwerke kommen solle. Dieser Stresstest wäre auch ganz bestimmt sehr gründlich und man wollte es Oettinger auch fast glauben, dass er lieber tiefer im Dreck gestochert hätte, so abgekämpft, wie er dann aussah, als er den Report vorstellte. Allein, er durfte nicht. Der Bericht wurde verspätet veröffentlicht, weil die Prüfer vor allem in Großbritannien und Frankreich auf großen Widerstand trafen und am Ende nach einer Rüge Kontrollen wiederholt werden mussten.

Im dann vorliegenden Kommissionsbericht, fehlten nicht nur Kriterien, wie die Sicherheit vor Terrorangriffen (die nie garantiert werden kann), sondern komplette AKW. Aufgrund des Widerstandes wurden gar nicht alle Anlagen überprüft, sondern lediglich 24 von 68 Anlagen.

Umso erschreckender ist es also, dass am Ende trotzdem in allen getesteten Anlagen Mängel nachgewiesen wurden, deren Ausbesserung die Betreiber 25 Milliarden Euro kosten sollte. Den Gedanken, wie dann die übrigen Anlagen aussehen, die zu marode waren, um vorgeführt zu werden, möchte man gar nicht zulassen.
Im Übrigen lagert der deutsche Staat enorme Reserven an Jodtabletten für den Fall eines Falles. Vermutlich sollte man es beruhigend finden, dass der Staat noch mit diesem Sicherheitsrisiko rechnet.

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